ESGE-Tage 2026: Endoskopisches Verfahren führt kurzfristig zu größerem Gewichtsverlust als orales Semaglutid, so eine Studie

14.05.2026

MAILAND, 15. Mai 2026 /PRNewswire/ -- Eine vergleichende Studie, die auf den ESGE-Tagen 2026 vorgestellt wurde, hat ergeben, dass die endoskopische Sleeve-Gastroplastie (ESG) bei Erwachsenen mit Fettleibigkeit mit einem signifikant größeren kurzfristigen Gewichtsverlust verbunden ist als orales Semaglutid.

Die retrospektive Kohortenstudie umfasste 150 Patienten, die in der klinischen Routinepraxis behandelt wurden, und bewertete die Ergebnisse nach sechs Monaten.

Bei den Patienten, die sich der ESG unterzogen, wurde ein mittlerer Gesamtkörpergewichtsverlust von 12,7 % erreicht, verglichen mit 8,7 % bei den Patienten, die 14 mg orales Semaglutid erhielten, was einem mittleren Unterschied von etwa 4,0 % entspricht (p=0,0001). Dieser Unterschied blieb auch nach Anpassung an die Ausgangscharakteristika, einschließlich Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index und Diabetesstatus, signifikant und wurde durch mehrere Sensitivitätsanalysen bestätigt.

Die endoskopische Sleeve-Gastroplastik ist ein minimal-invasives endoskopisches Verfahren zur Verringerung des Magenvolumens, während Semaglutid ein Glucagon-like Peptide-1-Rezeptor-Agonist ist, der die Gewichtsabnahme durch Appetitregulierung fördert. Direkte reale Vergleiche zwischen verfahrenstechnischen und pharmakologischen Ansätzen sind nach wie vor begrenzt, insbesondere bei oralen Formulierungen.

Bei Patienten, die sich der ESG unterzogen, war auch die Wahrscheinlichkeit einer klinisch bedeutsamen Gewichtsabnahme größer. Nach sechs Monaten erreichten 70 % der Patienten in der ESG-Gruppe einen Gewichtsverlust von mindestens 10 % gegenüber 43 % in der Semaglutid-Gruppe, während 36 % einen Gewichtsverlust von mindestens 15 % im Vergleich zu 7 % erreichten. Die Raten der unerwünschten Ereignisse waren zwischen den Gruppen vergleichbar und betrafen überwiegend leichte gastrointestinale Symptome, wobei keine ernsthaften Komplikationen oder Todesfälle gemeldet wurden.

Dr. Nitin G. Jagtap, Hauptautor der Studie, sagte, dass die Ergebnisse eine häufige klinische Frage behandeln. „In der Praxis fragen Patienten oft, ob sie sich für ein Verfahren oder ein Medikament entscheiden sollen, aber es gibt nur sehr wenige vergleichende Daten, die diese Entscheidung unterstützen. Wir haben uns auf orales Semaglutid konzentriert, weil es im Studienzeitraum die am häufigsten verfügbare Option war, so dass dies eine reale klinische Entscheidung und keinen künstlichen Vergleich widerspiegelt."

Er fügte hinzu: „Der um etwa 4 % höhere Gewichtsverlust mit ESG ist bedeutsam und kann zu einer verbesserten Kontrolle von mit Fettleibigkeit zusammenhängenden Erkrankungen wie Diabetes und Fettleber führen."

Dr. Jagtap betonte, dass die Wahl der Behandlung weiterhin individuell erfolgen sollte, wobei die Präferenzen der Patienten, der Zugang und die langfristige Therapietreue berücksichtigt werden sollten. „Eine tägliche orale Therapie erfordert ein dauerhaftes Engagement, während die ESG eine einmalige Maßnahme ist, die mit einem schnelleren Gewichtsverlust einhergeht. Diese Ansätze sollten als komplementär betrachtet werden", erklärte er.

„Die Zukunft der Pflege liegt in der personalisierten Behandlungsauswahl, d. h. in der Abstimmung des richtigen Ansatzes auf den richtigen Patienten", schloss Dr. Jagtap.

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ETH Zürich und RWTH Aachen erzeugen künstliche Erschütterungen im Furka-Baustollen

30.04.2026

Im Gotthardmassiv im Tessin ist einem internationalen Forschungsteam erstmals gelungen, die Erde kontrolliert zum Beben zu bringen. Im Untergrundlabor "Bedrettolab", das in einem ehemaligen Baustollen des Furkatunnels eingerichtet wurde, lösten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gezielt eine Serie von Mikrobeben aus. Die beteiligte Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH Aachen) sprach von einem "sehr erfolgreichen" Versuch.

Über mehrere Tage injizierten Fachleute der ETH Zürich, der RWTH Aachen und des italienischen Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) Wasser mit hohem Druck in eine natürliche Bruchzone tief im Fels. Ziel des Experiments war es, Spannungsänderungen im Gestein hervorzurufen und damit kleinste Erschütterungen auszulösen. Genau das trat ein: Registriert wurde eine ganze Serie von Mikrobeben, teilweise mit Magnituden knapp unterhalb von 0. An der Erdoberfläche waren diese Ereignisse nicht zu spüren.

Um die künstlich erzeugten Beben detailliert zu erfassen, installierte das Team Hunderte hochsensibler Sensoren in unmittelbarer Nähe der Verwerfung. Die Messinstrumente reagierten so feinfühlig, dass im Bedrettolab sogar das Erdbeben in Japan vom 20. April präzise aufgezeichnet werden konnte. Durch die direkte Platzierung an der Bruchzone konnte die Entstehung der Erschütterungen erstmals am Ursprungsort und nicht wie sonst üblich an der Erdoberfläche verfolgt werden. Die aufgezeichneten Signale seien "unglaublich", sagte Projektleiter Florian Amann von der RWTH Aachen, man erhalte einen einzigartigen Einblick in die Erdbebenphysik.

Das Experiment ist Teil des Projekts "FEAR" – kurz für "Fault Activation and Earthquake Rupture". Langfristig sollen die Daten dazu beitragen, die Vorhersagbarkeit von Erdbeben zu verbessern. Im Fokus steht die Frage, was im Gestein passiert, bevor ein größeres Beben einsetzt. Nach Angaben der Forschenden gehen starken Erdbeben typischerweise tausende kleine Ereignisse voraus. Deren Entwicklung im Labor nachzuzeichnen, soll helfen, die physikalischen Prozesse entlang natürlicher Störungszonen besser zu verstehen und Frühindikatoren für künftige Beben zu identifizieren.