Reformwillen ohne Ergebnis: WTO vertagt Digitalzoll-Frage nach Genf

30.03.2026


Die 14. Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in Kameruns Hauptstadt Jaunde ist in einer Kernfrage ohne Ergebnis zu Ende gegangen: Das seit 1998 bestehende Moratorium, das Mitgliedstaaten daran hindert, Zölle auf elektronische Übertragungen zu erheben, ist ausgelaufen. Hintergrund ist ein Veto Brasiliens gegen einen Kompromiss, der eine Verlängerung um mehrere Jahre vorgesehen hätte. Die Einigung galt im Vorfeld als Schlüsselthema, weil sie als Signal für die Handlungsfähigkeit der WTO im digitalen Zeitalter gewertet wurde.

Das Moratorium schützte bisher eine breite Palette grenzüberschreitender digitaler Angebote vor Abgaben – von Filmen und Musik über Software und E-Books bis hin zu Datenbanken, Konstruktionsplänen und Cloud-Diensten. Die USA und andere Industriestaaten hatten für eine langfristige, teils sogar dauerhafte Verlängerung geworben. Entwicklungsländer und Schwellenökonomien argumentieren dagegen seit Jahren, ihnen entgingen durch den Zollverzicht potenzielle Einnahmen, die sie in Infrastruktur und eigene digitale Kapazitäten investieren könnten.

Nach Angaben von Diplomaten lagen die Positionen Brasiliens und der USA bis zuletzt weit auseinander. Washington drängte auf eine längerfristige oder permanente Verlängerung, während Brasilien nur eine deutlich kürzere Frist akzeptieren wollte. Weil WTO-Beschlüsse Einstimmigkeit erfordern, reichte das brasilianische Nein aus, um den Kompromiss zu blockieren. WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala bestätigte, dass das Moratorium damit formell ausgelaufen ist, betonte jedoch, die Gespräche würden weitergeführt und man hoffe, die Regelung wieder in Kraft setzen zu können.

Ökonomisch erhöht das Ende des Moratoriums die Unsicherheit für Unternehmen, die auf digitale grenzüberschreitende Geschäftsmodelle setzen. Mitgliedstaaten sind nun grundsätzlich frei, Zölle auf digitale Übertragungen zu erheben, auch wenn bislang offen ist, ob und in welchem Umfang sie davon Gebrauch machen werden. Politisch wird das Scheitern als weiterer Rückschlag für eine Organisation gewertet, die seit Jahren um ihre Relevanz im globalen Handel ringt. Zwar berichten Delegierte von Fortschritten bei einer umfassenderen Reformagenda für die WTO, konkrete Vereinbarungen wurden in Jaunde jedoch nicht getroffen. Die Verhandlungen sollen im Mai am WTO-Sitz in Genf fortgesetzt werden.

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Zürcher Uhrengeschichte endet: Patek Philippe verwandelt Beyer in Marken-Salon

01.04.2026


Die Chronometrie Beyer, nach Unternehmensangaben das älteste Uhrengeschäft der Welt, stellt ihren Betrieb an der Zürcher Bahnhofstrasse ein. Das 1760 gegründete Familienunternehmen, das seit 1927 am heutigen Standort ansässig ist, wird zum Jahreswechsel von der Genfer Luxusuhrenmarke Patek Philippe übernommen. Bereits heute betreibt Patek Philippe in den Räumlichkeiten der Familie Beyer eine eigene Boutique, die im Zuge der Übernahme ausgebaut und bis 2027 zu einem grossen Flagship-Salon an der Bahnhofstrasse weiterentwickelt werden soll.

Auslöser für das Ende des Traditionshauses ist das Fehlen einer familieninternen Nachfolge. Nach dem überraschenden Tod des langjährigen Patrons René Beyer im April 2025 im Alter von 61 Jahren hatte seine Schwester Muriel Zahn‑Beyer die Geschäftsführung übernommen. Weder sie noch ihr Bruder haben Kinder. Nach eigenen Angaben beschäftigt sie die Frage eines Endes der Chronometrie Beyer bereits seit über 20 Jahren. Die nun gewählte Lösung mit Patek Philippe sei «die bestmögliche», sagt sie – und entspreche dem ausdrücklichen Wunsch ihres Bruders, der den Verkauf bereits zu Lebzeiten vorbereitet habe.

Der Schritt hat spürbare Folgen für die Belegschaft: Von insgesamt rund 60 Mitarbeitenden werden etwa ein Drittel von Patek Philippe übernommen, rund 35 Beschäftigte verlieren ihre Stelle an der Bahnhofstrasse. Zahn‑Beyer spricht von unternehmerischer Verantwortung und kündigt an, die Betroffenen in der Übergangsphase bestmöglich zu unterstützen, etwa durch frühzeitige Kommunikation und Zeit für die Neuorientierung. Für die bestehende Patek-Kundschaft soll sich hingegen wenig ändern, da dieser Teil des Geschäfts nahtlos weitergeführt werden kann.

Mit der Transformation des Standorts nimmt die Präsenz von Monomarken-Boutiquen an der Zürcher Luxusmeile weiter zu. Patek Philippe erhöht die Zahl seiner Salons mit Zürich auf insgesamt vier, neben dem Stammhaus in Genf sowie Boutiquen in Paris und London. Die Genfer Marke gilt als eine von zwei grossen Uhrenherstellern, die weiterhin eng mit dem Fachhandel kooperieren, während ein Grossteil der Konkurrenz stärker auf eigene Vertriebskanäle setzt. Für den lokalen Detailhandel bedeutet das Aus der Chronometrie Beyer dennoch das Ende eines über 260-jährigen Kapitels Zürcher Uhrengeschichte.