Qilin-Gruppierung soll Tausende Unternehmen erpresst haben – jetzt reagiert sie mit Drohungen

08.10.2026


Nordrhein-westfälischen Ermittlern ist nach eigenen Angaben ein historischer Schlag gegen die international operierende, russischsprachige Hackergruppe Qilin gelungen. In enger Zusammenarbeit mit den Behörden in Japan wurde ein 28-jähriger russischer Staatsbürger, den Innenminister Herbert Reul (CDU) als einen der „führenden Köpfe“ der Gruppierung bezeichnete, in Osaka beziehungsweise Tokio festgenommen und inzwischen nach Deutschland überstellt. Der Mann, der unter dem Pseudonym „Snake“ aufgetreten sein soll, sitzt nun in einer deutschen Justizvollzugsanstalt.

Der Zugriff ist Ergebnis monatelanger Ermittlungen im Rahmen der internationalen „Operation Albus“. Spezialisten des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen und der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) in Köln hatten die Gruppe seit Mitte 2024 infiltriert und deren Aktivitäten beobachtet. Nach Aussage von Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) verfolgten die Ermittler „unzählige digitale Spuren“, bis sie einen realen Namen hinter einem Hacker-Alias identifizieren konnten. Japan lieferte den Festgenommenen aus, obwohl zwischen Tokio und Berlin kein Auslieferungsabkommen besteht.

Qilin zählt nach Einschätzung der nordrhein-westfälischen Behörden zu den aktivsten Ransomware-Netzwerken weltweit. Seit 2024 soll die Gruppe fast 4.000 Unternehmen angegriffen und mit Erpressersoftware unter Druck gesetzt haben, darunter rund 150 Firmen in Deutschland, davon 30 in NRW. Die geforderten Lösegelder beliefen sich laut Reul insgesamt auf knapp drei Milliarden US-Dollar, mehr als 140 Millionen Dollar sollen tatsächlich geflossen sein. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ wird der Festgenommene unter anderem mit einem Angriff auf ein deutsches Logistikunternehmen in Verbindung gebracht und als Entwickler innerhalb der Gruppierung eingeordnet.

Während die Behörden in Düsseldorf den Zugriff als wichtigen Erfolg im Kampf gegen international organisierte Cyberkriminalität werten, reagiert Qilin mit verbaler Gegenoffensive – und neuen Drohungen. In einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem japanischen Sender JNN wollte die Gruppe weder bestätigen noch dementieren, dass der in Osaka festgenommene Russe zu ihrem inneren Kreis gehört. Gleichzeitig erklärte Qilin, man kooperiere mit mehr als 300 anonymen Personen weltweit und habe noch nie seine Aktivitäten wegen Drucks von Ermittlern eingestellt.

Besonders deutlich richtet die Gruppierung ihre Botschaft an Japan. Qilin war bereits mit einem Cyberangriff auf Asahi Breweries im Jahr 2025 in Verbindung gebracht worden und soll wiederholt japanische Unternehmen attackiert haben. Nun warnte sie, Attacken auf japanische Firmen und Behörden könnten sich nach der Festnahme und Auslieferung in Osaka verstärken. Zugleich übte die Gruppe scharfe Kritik an den staatlichen Stellen und warf ihnen vor, das Leben eines Menschen zu zerstören, dessen Schuld nicht bewiesen sei. Nach der Festnahme eines mutmaßlichen Kernmitglieds deutet sich damit an, dass der digitale Konflikt zwischen Strafverfolgern und der Ransomware-Gruppe in eine neue Phase eintritt.

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Mutmassliche Brandstiftung in Baar: Sachschaden von mehreren hunderttausend Franken

08.10.2026


Nach dem nächtlichen Grossbrand an der Ruessenstrasse in Baar im Kanton Zug gehen die Strafuntersuchungsbehörden von vorsätzlicher Brandlegung aus. Mehrere Fahrzeuge waren am späten Abend des 28. September in Flammen aufgegangen und vollständig ausgebrannt. Die Ermittler stufen Brandstiftung als wahrscheinlichste Ursache ein, wie sie am Donnerstag über die Plattform X mitteilten.

Als die Feuerwehr kurz nach 22 Uhr am Einsatzort eintraf, standen bereits mehrere Autos in Vollbrand. Die Flammen hatten zu diesem Zeitpunkt schon auf ein angrenzendes Geschäftsgebäude übergegriffen. Durch einen raschen und koordinierten Löscheinsatz gelang es den Einsatzkräften, das Feuer unter Kontrolle zu bringen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Trotzdem entstand ein Sachschaden in der Höhe von mehreren hunderttausend Franken.

Bei den Löscharbeiten wurde ein Feuerwehrmann aus Baar leicht verletzt. Er hatte gemeinsam mit seinen Kollegen versucht, sowohl die brennenden Fahrzeuge als auch das betroffene Geschäftsgebäude zu sichern. Die Feuerwehr konnte Schlimmeres verhindern, doch mehrere Fahrzeuge wurden zerstört und Teile des Gebäudes erheblich beschädigt.

Die Kantonspolizei Zug hat in der Zwischenzeit Ermittlungen zur Täterschaft aufgenommen und wendet sich mit einem Zeugenaufruf an die Öffentlichkeit. Personen, die vor, während oder nach dem Brand im Gebiet rund um die Ruessenstrasse verdächtige Beobachtungen gemacht haben, werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden. Hinweise nimmt die Zuger Polizei unter der Telefonnummer 041 595 41 41 entgegen.