
Unmittelbar vor der geplanten Nationalratsabstimmung über das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) spitzt sich der Konflikt zwischen Regierung und Grünen zu. ÖVP, SPÖ und Neos wollen das Paket für einen schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien am Donnerstag beschließen. Weil dafür eine Zweidrittelmehrheit nötig ist, kommt die Oppositionspartei in eine faktische Schlüsselrolle – und nutzt sie, um deutlich höhere Ausbauziele einzufordern. In der aktuellen Form wollen die Grünen dem Entwurf nicht zustimmen.
Aus Sicht der Grünen bremst das Gesetz die Energiewende eher, als sie zu beschleunigen. Die vorgesehenen Zielmarken für 2030 seien so niedrig angesetzt, dass sie in fünf Bundesländern bereits heuer erreicht würden – noch bevor das EABG überhaupt beschlossen ist. Der grüne Energiesprecher Lukas Hammer spricht von einer „Einzementierung des Stillstands in vielen Bundesländern“. Die Partei verlangt, die Ausbaupfade an den Nationalen Energie- und Klimaschutzplan (NEKP) anzulehnen, den Österreich 2024 an die EU-Kommission übermittelt hat, und drängt darauf, die Abstimmung von der Tagesordnung zu nehmen, um weiterzuverhandeln.
Die Regierungsparteien halten dagegen und werben bis zuletzt um ein Einlenken. Am Dienstagabend traten die Energiesprecher Laurenz Pöttinger (ÖVP), Alois Schroll (SPÖ) und Karin Doppelbauer (Neos) gemeinsam vor die Presse, um die Grünen zu weiteren Gesprächen aufzurufen. Die Absage aus der Opposition sei überraschend gekommen, man wolle aber „nicht aufgeben“ und bis Donnerstag um eine Einigung ringen. Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) sieht die Grünen in der Verantwortung und verweist auf laufende „gute Gespräche“. Am Ende müssten Vernunft und Verantwortungsbewusstsein über „ideologischer Verhandlungstaktik“ stehen, erklärte er in einer Stellungnahme.
Druck auf eine rasche Lösung kommt auch aus den Bundesländern. Der oberösterreichische grüne Klimalandesrat Stefan Kaineder warnt davor, Ziele im EABG zu verwässern. Österreich brauche „mehr heimische Energie, nicht weniger“ – wer den Ausbaukurs abschwäche, gefährde Standort und Versorgungssicherheit, so seine Argumentation. Ob die verhärteten Fronten vor der Abstimmung noch aufgebrochen werden können, ist offen. Scheitert der Versuch, eine Zweidrittelmehrheit zu organisieren, droht dem zentralen Gesetzesbaustein der österreichischen Energiewende zumindest eine weitere Verzögerung.

Roche verstärkt seine Pipeline in der Onkologie mit einem milliardenschweren Lizenz- und Entwicklungspakt. Der Schweizer Pharmakonzern sichert sich gemeinsam mit Nurix Therapeutics die Rechte an Bexobrutideg, einem Wirkstoffkandidaten gegen Blutkrebs. Für die Zusammenarbeit zahlt Roche dem US-Unternehmen zunächst eine Vorabprämie von 700 Millionen Dollar in bar. Erreichen die Partner definierte Entwicklungs-, Zulassungs- und Umsatzziele, kann das Gesamtvolumen der Vereinbarung auf bis zu 2,3 Milliarden Dollar anwachsen. Die Transaktion soll nach Unternehmensangaben im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden.
Im Zentrum der Kooperation steht Bexobrutideg, ein oral verfügbarer Wirkstoff aus der Klasse der sogenannten BTK-Degrader (Bruton-Tyrosinkinase-Degrader). Das Mittel soll im Sommer in die entscheidende Phase-III-Studie zur Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) eintreten. Bexobrutideg verfolgt einen anderen therapeutischen Ansatz als etablierte BTK-Hemmer: Statt die Aktivität des BTK-Proteins lediglich zu blockieren, soll der Kandidat dieses gezielt abbauen. Damit zielen Roche und Nurix auch auf Patientengruppen ab, deren Erkrankung Resistenzen gegen bestehende Standardtherapien entwickelt hat.
Roche und Nurix planen, Bexobrutideg über die CLL hinaus in weiteren Indikationen zu testen. Geplant sind zusätzliche Studien bei anderen bösartigen Erkrankungen des B-Zell-Systems. Darüber hinaus sehen die Unternehmen Einsatzpotenzial in der Immunologie und Neurologie, etwa bei Multipler Sklerose und chronischer spontaner Urtikaria. Nach Angaben der Partner gehört Bexobrutideg zu einer neuen Generation von Medikamenten, die krankheitsverursachende Proteine gezielt abbauen und damit ein breiteres Wirkspektrum eröffnen sollen.
Finanziell und operativ teilen sich Roche und Nurix die Lasten und Chancen des Programms. Die Entwicklungskosten werden im Verhältnis 60 zu 40 zugunsten von Roche getragen. In den Vereinigten Staaten wollen die Unternehmen Bexobrutideg gemeinsam vermarkten und Gewinne wie Verluste aus dem US-Geschäft jeweils zur Hälfte teilen. Außerhalb der USA übernimmt Roche den Vertrieb in eigener Regie, während Nurix Anspruch auf Lizenzzahlungen erhält. Nurix-Chef Arthur Sands bezeichnete die Vereinbarung als wichtigen Meilenstein, der es dem Unternehmen ermögliche, das Potenzial von Bexobrutideg in Onkologie, Immunologie und Neurologie auszuschöpfen.